Furchtlos und treu?

Gerne hätte man Ihn gestern gesehen. Den zweimaligen Retter, den Heilsbringer. Es hätte ein schönes Wiedersehen gegeben mit alten Bekannten, nur dass der Hauptprotagonist nun nicht Gastgeber, sondern Gegner gewesen wäre.

Bekanntlich wurde  nichts aus der Rückkehr Huub Stevens nach Stuttgart. Vor ca. einem Monat musste der „Knurrer aus Kerkrade“ (zu Deutsch: „Die kleine Erbse“) krankheitsbedingt sein Traineramt bei der TSG 1899 Hoffenheim niederlegen. Es wäre spannend zu sehen gewesen,
der Holländer der von ihm bei den letzten beiden Klassenerhalten betreuten Mannschaft begegnet wäre. Gewohnt defensiv oder doch mit offensivem Spielwitz?

Wer sich jedenfalls am Samstagnachmittag in der Mercedes-Benz Arena einfand, der wurde Zeuge eines Spektakels, wie man es in der Schwabenmetropole schon lange nicht gesehen hatte. Dass der VfB mit 4 Toren Unterschied gewinnen konnte, das gab es zuletzt im September 2013. Damals wie gestern hieß der Gegner Hoffenheim. Doch war das  damalige 6:2 gegen die Kraichgauer noch dem Trainereffekt (Schneider für Labbadia) zuzuordnen, so war dieses 5:1 eher ein Indiz für wieder gewonnene Stärke. Dass die Stuttgarter nach der unglücklichen Heimpleite gegen Ligaschlusslicht Hannover und der verdienten 0:4 Klatsche unter der Woche in Gladbach so fulminant die Englische Woche abschließen würden, hätten wohl auch die größten Befürworter der Schwaben nicht für möglich gehalten. Zudem mit der TSG eine Mannschaft an den Neckar reiste, die unter Trainernovize Nagelsmann bisher einen Positivtrend zu verzeichnen hatte. Der Kantersieg war neben an diesem Tag indisponiert aufspielenden und schläfrig wirkenden Hoffenheimern aber vor allem eine Qualitätsdemonstration des Stuttgarter Kaders. Neben dem von Zorniger verbannten, von Neu-Trainer Jürgen Kramny aus der Versenkung geholten Niedermeier, waren etliche Spieler in bestechender Form. Allen voran das Mittelfeld zeigte, schaffen es die Spieler konstant ihr Potential abzurufen, dass es eines der besten der Liga ist. Mit dem zuweilen etwas hektischen, aber immer vorantreibenden Sechser Dié schafften es die Stuttgarter immer wieder Ihre Offensive in Szene zu setzen. Während Didavi und Rupp zeitweise als hängende Spitze Druck auf die TSG-Abwehr ausübten, sicherte Kapitän Christian Gentner souverän das Zentrum. Und da der manchmal etwas überspielt wirkende Filip Kostic an diesem Nachmittag immer wieder gut in Szene gesetzt wurde und darüber hinaus einen besonders starken Tag erwischte, war der Offensivpower der Schwaben nur wenig entgegen zu setzen. Dass dann auch noch Küsschen-Verteiler Werner als Joker stach, durfte wohl selbst Ex-Coach Zorniger gefallen haben. Insbesondere waren es aber auch die Innenverteidiger, die das Spiel zu Gunsten der Stuttgarter entschieden. Neben Kopfballungeheuer Niedermeier machte auch Nebenmann Daniel Schwaab eine starke Partie, indem er zusammen mit seinem Partner früh den Sturm des Gegners presste.Etwaige Angriffe wurden so im Keim erstickt und darüber hinaus noch gefährliche Angriffe eingeleitet (5:1).

 

Wie konstant und gefestigt diese Stuttgarter Mannschaft nun wirklich ist, dass wird die Endphase der Saison zeigen. Fürs Erste wieder mehr Abstand zu den Abstiegsplätzen erlangt zu haben, dürfte der grundsätzlichen Spielfreude der Kramny-Elf entgegen kommen. Und dass nach den Pleiten gegen Hannover und Gladbach eine solch spielstarke Reaktion folgte, könnte durchaus ein Wegweiser dafür sein, dass diese Mannschaft sich nicht mehr allzu schnell von ihrem Erfolgskonzept abbringen lässt. Die nächsten 3 Spiele in Ingolstadt, gegen Leverkusen und in Darmstadt werden Aufschluss darüber geben, ob sich hinter dieser Truppe eine durchschnittliche Bundesligamannschaft oder ein ernsthafter Europaspirant verbirgt. Und sollten wichtige Stützen wie Didavi und Kostic gehalten werden können, dann dürfte man recht furchtlos in die neue Saison starten können. Furchtlos und treu eben. Ein altbekanntes Motto im Schwabenland.

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Autor: marianbendo

Journalist und Blogger

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