Das Fußballerherz blutet

 

„Keine Chance mehr. Die sind am Boden. Die Uhr tickt nicht mehr lange.“ Im Vorfeld des 34. Spieltags schien es, sollte man den Äußerungen diverser Fachmänner trauen, als wäre der HSV schon abgestiegen. Zu schlecht sei das Zusammenspiel in der Mannschaft, zu viel wurde die ganze Saison über falsch gemacht. Da mit den indisponierten und ebenfalls lethargisch auftretenden Schalkern aber ein vermeintlich leichter Gegner ins künftige Volksparkstadion kam, rettete sich der Buli-Dino mit einem 2:0 in die Relegation. Er hätte sich sogar ganz retten können, wäre den Stuttgartern in Paderborn nicht das entscheidende, siegbringende 2:1 geglückt.

 

Gestern Abend rettete sich  der HSV abermals. Endgültig. Entgegen aller Prognosen von Möchtegern-Experten und HSV-Verächtern. Es war ein Sieg, der dem neutralen Fan zu denken gab. Man hatte nicht das Gefühl, der HSV hätte es sich verdient, vielmehr schien der Karlsruher SC um seinen Lohn gebracht worden zu sein. Und selten zuvor hatte man das Gefühl, dass sich ein Verein den Abstieg so verdient gehabt hätte wie der HSV. Jahre schlechten Managements, verquerer Personalpolitik und unnötigen Trainerverschleißes haben den HSV in die Abstiegszone geführt, welcher mit seinem  Millionenkader eigentlich in der oberen Tabellenhälfte mitspielen müsste. Umso bitterer wirken da der Abstieg der aufopferungsvoll kämpfenden Freiburger und Paderborner, sowie das unglückliche “Lastminutescheitern“ des Karlsruher SC. Dass nun der HSV die Klasse hält, ist zwar auch der Verdienst Bruno Labbadias. Doch in erster Linie ist es eine Frechheit. Eine noch größere als im letzten Jahr. Schon da hätten 27 Punkte den Abstieg bedeuten müssen. Lediglich die ebenfalls sieglosen Nürnberger und Braunschweiger garantierten den Hamburgern den sechzehnten Platz. Jetzt also ein zweites Mal über die Relegation den Klassenerhalt geschafft zu haben , zeugt von Stärke, ist aber in erster Linie  ein Armutszeugnis für diese sündhaft teure Mannschaft, die erst im Sommer für knapp 30 Millionen Euro verstärkt worden war.

 

Statt den Gang ins Unterhaus anzutreten, sind die Hamburger nun aller Abstiegssorgen entledigt. Es ist nahezu undenkbar, dass sich der Dino im nächsten Jahr in ähnlicher Abstiegsnot wiederfinden wird, dafür ist der Kader einfach zu stark.  Und sollte der HSV allen Prognosen trotzen und wieder aller Erwartungen trotzdem im Tabellenkeller rumdümpeln, dann ließe sich bestimmt noch ein Zweitligist finden, der ihm die Hand hinhält. Wie wäre es mit dem 1. FC Kaiserslautern? Die Lauterer sind ja bekanntlich Spezialisten im knappen Scheitern. Oder möglicherweise wieder der KSC. Dann auf ein Neues, gegen die Unabsteigbaren.

 

Noah Platschko, Krakau, 2.6.2015

 

 

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Autor: marianbendo

Journalist und Blogger

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